Meck-Pomm: Einfach mal abtauchen

Wer möchte jetzt nicht mal wieder den Kopf ­richtig frei bekommen, Sonne, Wind, Wasser spüren, sich in der Natur erden? ­Mecklenburg-Vorpommern ist eine ideale ­Spielwiese dafür. Sechs Tipps für den ­frühsommerlichen Perspektivwechsel.

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#1 Fischland-Darß-Zingst: Urlaubskino mit Happy End

TMV/Tiemann

Wind, Wellen, Weite, fantastische Landschaft. Das sind beste Zutaten, um den Kopf frei zu bekommen. Fischland-Darß-Zingst spielt in diesen Kategorien ganz vorne mit. Sieht die Steilküste zwischen Wustrow und Ahrens­hoop nicht aus wie eine abgebrochene Tafel Schokolade? Könnten die knorrigen Kiefern des Darßwaldes nicht in einem Fantasyfilm als Kulisse dienen? Und die Bodden, eine lange Kette von Lagunen, gleicht doch einer Wasser-­Serengeti. Vor allem im Herbst, wenn Zehntausende ­Kraniche einfliegen. Ihre Rufe klingen nach Sehnsucht. Einmal auf Fischland-­Darß-Zingst den Fuß in den Sand gesetzt, möchte man in den Gesang einstimmen.

Wandern auf dem Alten Mecklenburger Weg, Radfahren an der Ostsee oder Segeln und Paddeln – so viele Möglichkeiten. Auch JoggerInnen lieben den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die geschützte Halbinsel bietet reichlich Auslauf und gleicht einer Kinoleinwand. 45 Kilometer Breitwandpanorama. Du führst Regie. Das Skript darf beliebig geändert werden. Ganz sicher ein Streifen mit Happy End. Kopf nach links: das Meer. Kopf rechts: windgepeitschte Gräser. Kopf hoch: Schäfchenwolken. Die Extrarunde läuft sich hier fast wie von selbst.

Info: www.fischland-darss-zingst.de und www.auf-nach-mv.de/fitness


#2 Sauna-Hausboot: Wecke finnisches Feeling in dir!

TMV/Gänsicke

Natürlich würde es auch ein normales Hausboot tun, um die Mecklenburgische Seenplatte zu entdecken. Aber wer im Urlaub was richtig Abgefahrenes erleben möchte, schippert mit einem Saunaboot über die Müritz – da werden sogar Finnen neidisch. Du und deine Crew schlagt Kurs Nord ein.

Der Tag mit dem Hierhin- und Dorthin-Tuckern war nur das Vorprogramm für die abendliche Primetime. Am Horizont glimmt die untergegangene Sonne nach. Im Wasser spiegeln sich die Schatten des Waldes. Sieht aus wie in Finnland. Fühlt sich an wie in Finnland. Die Sauna hat ihre Betriebstemperatur erreicht. Ausziehen, auf die Holzpritsche fläzen und schwitzen. Irgendwann heißt es: Schiebetür auf, Anlauf nehmen, Platsch. ­Wassertemperatur: im Sommer 20 Grad. Auch da wären die Finnen neidisch.

Info: www.kuhnle-tours.de


#3 Rostock: SUP im sicheren Hafen

TMV/Gänsicke

Ach, wie gut haben es doch die RostockerInnen! Meldet sich ihr Bewegungsdrang, schnappen sie sich ein SUP-Board und paddeln auf der Unterwarnow der Ostsee entgegen. Im Urlaub kannst du es ihnen gleichtun. Eine innere Stimme flüstert dir zu: »So weit wie möglich rausfahren!« ­Paddel rechts einstechen – Segelboote. Paddel links – Blick über den Stadthafen. Rechts. Links. Rechts. Links. Pause. Auf beiden Seiten rücken grüne Ufer ins Bild. Die Welt ist auf Abstand.

Irgendwann werden die Arme müde. Zu Beginn der Ausfahrt ist dir im Stadthafen die Flusssauna aufgefallen. Also »zurück auf Los«. Der Schwitzkasten hat seine Base am Steg A der Marina »Ocean’s End«. Ausziehen und Saunahandtuch auf der Sitzbank ausbreiten. Während du so vor dich hin schwitzt, gleitet der Blick durchs Fenster. So chillig warm ist die Aussicht genauso schön.

Info: www.rostock.de


#4 Nationalpark Jasmund: Grüne Lunge in Traumlage

Einer der schönsten Wälder Deutschlands atmet auf ­Rügen klare Luft aus. Es ist ein wilder Flecken, den der Nationalpark Jasmund schützt. Von der Eiszeit geformt und von Winterstürmen modelliert, schlagen die Kreidefelsen jeden in den Bann. Waghalsig stehen die Buchen am Abgrund und locken einen in den Wald.

Drinnen dominiert die Ehrfurcht. Wanderwege mäandern zwischen den dicken Stämmen hindurch. Staunend wagt man sich voran, legt den Kopf immer wieder in den Nacken, lässt den Blick durch die Kronen schweifen. Sie greifen ineinander, fast so, als würden sie sich umarmen. Der Wald von Jasmund steht seit dem 25. Juni 2011 auf der UNESCO-Welterbeliste. Zu Recht!

Info: www.auf-nach-mv.de/naturerlebnis


#5 Wismarer Bucht: Radeln mit Rückenwind!

© Andreas [FranzXaver] Süß

Hast du dich in den letzten Wochen gedanklich schon öfter aufs Fahrrad geschwungen? Oder ans Meer gedacht? Nun, an der Ostseeküste lässt es sich ungeheuer angenehm radeln. Flaches Terrain, sonniges Wetter und wer von West nach Ost steuert, wird oft von einem ordentlichen ­Rückenwind verwöhnt.

In der Wismarer Bucht begleiten die Radtour tolle ­Panoramen. Das Ostseebad Boltenhagen ist ein guter Start­ort. Wer es schafft, den Reizen des fünf Kilometer langen Sandstrandes und der Steilküste zu entgehen, dreht den Lenker nach Osten. Freudig über den Klützer Winkel strampeln. Rein in ein Dorf, raus aufs grüne Land. Felder, Wäldchen, freies Gelände – ständig neue Eindrücke. Der Radweg schmiegt sich ans Meer. Leicht erhöht bummelt man voran. Herrlich diese Weite!

Sie füllt sich nach Stunden mit Schiffen, Kirchtürmen und Bürgerhäusern. In Wismar konserviert der Backstein die Epoche der Hanse. Beeindruckt holpert man über das ausgetretene Pflaster der Altstadt. Irgendwann zu Hause driften die Gedanken wieder ab, hin zur Ostsee. Gut, dass der Radweg durch ganz Mecklenburg-Vorpommern führt. 700 Kilometer. Das reicht für mehrere Urlaube.

Info: www.auf-nach-mv.de/radwandern und www.ostseeferien.de


#6 Nordperd: Schatzsuche auf Rügen

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Wie auf einer Piratenschatzkarte versteckt sich das Nordperd im Südosten von Deutschlands größter Insel. Der Schatz der schmalen Landzunge ist die Natur. 60 Meter hoch schiebt sich das bewaldete Kap in die Ostsee. Das Naturschutzgebiet ist die Perle des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Der Hochuferwanderweg hangelt sich vom Ostseebad Göhren aus entlang der Steilküste durch einen märchenhaft anmutenden Mischwald. Unten rollen die Wellen an zwei Stränden aus, teilweise reicht der Wald knapp bis ans Wasser. Die Ausblicke vom Hochufer sind die Juwelen des Nordperd. Bei guter Fernsicht fliegt der Blick vom Kliff über den Südstrand bis zur Insel Usedom. Gegenüber rückt die Kreideküste der Halbinsel Jasmund ins Bild. Eine andere eindrucksvolle Perspektive bietet die Wanderung unterhalb der Steilküste, hier lässt sich mit Glück auch ein Schatz der Ostsee am Strand finden: Bernstein.

Am besten kommt man den Geheimnissen des Nordperds bei einer Naturführung auf die Spur. Vom 24. Mai bis 6. Juni lockt der Rügener Wanderfrühling zum neunten Mal. Dann führen Guides zu verschiedenen Themen über die Insel – am Nordperd steht der Wald als Quelle der Kraft und Achtsamkeit im Fokus.

Info: www.ruegen.de

Text: Thorsten Brönner