Alex Honnold – Free Solo

National Geographic
Am 3. Juni 2017 verewigte sich Alex Honnold in der Kletterszene: Ohne Sicherung, also »free solo«, kletterte er die 1000 Meter hohe Granitwand des El Capitan im Yosemite Valley. Ein kurzer Einblick in das Schaffen des Ausnahme-Kletterers.

Alex Honnold ist einer der Top-Stars der internationalen Kletterszene. Seine »Heimat« sind die großen Wände des kalifornischen Yosemite Valley wie The Nose und Half Dome. Mit der Free-Solo-Durchsteigung der 1000 Meter hohen Granitwand des El Capitan erfüllte er sich einen lange gehegten Lebenstraum.

Alex »No Big Deal« Honnold

Doch die Besteigung – in unglaublichen drei Stunden und 56 Minuten – war nicht das erste Meisterwerk des Ausnahmealpinisten. Diverse Speedrekorde und sicherungsfreie Pioniertaten stellte Honnold an den großen Wänden des Yosemite Valley wie The Nose und Half Dome auf. Mit Berufskollege Tommy Caldwell überquerte er in fünf Tagen die gesamte Fitz Traverse in Patagonien. Weil er seine schier übermenschlichen Leistungen gern runterspielt, haben ihm seine Kumpels den Spitznamen »No Big Deal« gegeben.

»Angst ist ein ziemlich guter Indikator, dass etwas gefährlich ist. Wenn mir etwas Angst macht, mache ich es in der Regel nicht.«

Aber das Beeindruckendste für uns Normalos, denen beim Hinsehen schon der Angstschweiß von den Handflächen tropft, ist die scheinbare Furchtlosigkeit des Kaliforniers, der eher an einen netten Nachbarsjungen als einen Klettersuperhelden erinnert. Forscher an der Medical University of South Carolina haben per Kernspintomografie Honnolds Gehirn untersucht, um rauszufinden, ob ihm schlichtweg der Angst-Knopf im Kopf fehle. Doch die Annahme, die Amygdala, ein Organ im menschlichen Gehirn zur instinktiven Einleitung von Angstreaktionen, könnte dem furchtlosen Alpinisten fehlen, erwies sich als falsch. Alex Honnolds Birne ist kerngesund. Er hat sie einfach über viele, viele Jahre intensivst trainiert. Und dass Honnold keine Angst verspürt, stimmt nicht. »Angst ist ein ziemlich guter Indikator, dass etwas gefährlich ist. Wenn mir etwas Angst macht, mache ich es in der Regel nicht«, sagte er vergangenes Jahr in einem Interview.

Ein Oscar für Free Solo

Bereits 2016 hatte er einen Versuch gewagt, die Wand des El Cap ohne Seil zu klettern, brach diesen aber ab, weil er sich nicht gut fühlte. 2017 gelang ihm dann das Meisterstück. Die Filmemacher Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin dokumentierten Honnolds Erfolg – ihr Kinofilm »Free Solo« gewann als erster Outdoorfilm einen Oscar.

ALEX HONNOLD

Alter: 34 // Heimat: Campingbus mit integriertem Kletter-Trainingsboard // Ausbildung: abgebrochenes Ingenieurstudium am der University of California // Beruf: Profi-Kletterer // Web: www.alexhonnold.com


Einer von 50: In der Sonderausgabe »50 Menschen, 50 Abenteuer« zeigen wir Menschen und ihre ganz persönlichen Geschichten – von skurillen Episoden über kleine und große Expeditionen bis hin zu ganzen Lebensgeschichten.

Text: Moritz Becher
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