Kamik: Aus der Kälte Kanadas

Joakim Astrom
Tempo für die Nase, Tesa fürs Büro – und Kamik gegen kalte Füße. Die kanadische Marke steht für eine ganze Produktklasse, nämlich  robuste und warme Canadian Boots. An diesem guten Ruf arbeitet der Schuhspezialist aus Québec seit 120 Jahren. 

Das Wetter in der kanadischen Provinz Québec ist besonders: In der Region um Montreal liegt der Jahresniederschlag bei fast 1300 Millimetern und die Tagesdurchschnittstemperatur nur in fünf Monaten im zweistelligen Bereich, von Dezember bis März sogar unter dem Gefrierpunkt. In Frankfurt fällt nur etwa halb so viel Niederschlag – und es gibt keinen einzigen Monat mit Mitteltemperatur unter null. Wenn sich die Kanadier also mit etwas auskennen, dann ist es Kälte und Nässe. Sicher ein Grund, warum so viele Outdoormarken von dort kommen.

Kamik: Start mit 500 Dollar Kapital

So auch Kamik aus Québec. Die Geschichte des ­Unternehmens hat – wie fast alle Firmengeschichten in Kanada – einen Migrationshintergrund: William Cook wurde 1912 von seinen Eltern aus dem warmen Libanon nach Kanada geschickt, um der Einberufung in die Armee zu entgehen. Mit 500 Dollar Startkapital musste sich der 16-Jährige durchschlagen. Aber schon bald machte er gute Geschäfte im Textil- und eben Schuhbusiness. 1932 wechselte er die Seiten und wurd­e vom Händler zum Produzenten. Im franko­phonen Québec kaufte er die Schuhfabrik Charron­­ Manu­facturing Company und nannte sie in Genfoot um. Sein Fokus: Arbeits- und Outdoorschuhe. 

Seit 1932 fertigt Kamik in eigenen Produktionsstätten in Nordamerika. 

In den 1940er-Jahren entwickelte sich die chemische Industrie schnell weiter. Synthetisierte, günstigere Produkte haben Naturprodukte ersetzt. Gummi wurde zu einem Massenprodukt. In Nordamerika­ ­entwickelte sich dabei der sogenannte Canadian Boot: eine Kombination aus rutschfester Sohle und Fußteil eines Gummistiefels mit einem textilen oder ledernen Schaft und einem – meist herausnehmbaren – dicken Innenschuh ausgestattet. Er war bis zum Knöchel absolut wasserdicht, zuverlässig warm und damit ideal für Jäger, Förster, Farmer – und für Kinder. 

Neue Marke, traditionelle Herkunft

Mit ihrer neuen Marke »Kamik« setzte die Familie Cook genau auf dieses Konzept. Kamik bedeutet in der Sprache der Inuit einfach »Fußbedeckung«. Und während die traditionellen Fellstiefel der arktischen First Nations vor allem warme Füße und ein möglichst lautloses Anschleichen bei der Robbenjagd gewährleisten sollten, ging es bei den Winterstiefeln, die das kanadische Unternehmen Genfoot herstellt, von ­Anfang an auch um Rutschfestigkeit, Langlebigkeit und schnelles Trocknen. 

Heute bietet das Kamik-Sortiment weit mehr als nur die klassischen Canadian Boots. Schon ab Kinder­größe 20 sorgen die Kanadier für warme Füße im Winter, vom Gummistiefel bis zum hochwertigen und modischen Schnürstiefel mit Plüschfutter. Seit 2011 bieten die Kanadier darüber hinaus eine Bekleidungskollektion für Kinder an.

Kamik-Kinderstiefel punkten vielfach

Im Globetrotter Sortiment sind die Kinderstiefel eine feste Größe, und wer sie einmal gekauft hat, greift oft wieder zu Kamiks, wenn die nächste Größe ansteht. Dieser Erfolg liegt an mehreren ­Faktoren: Erstens punkten die Stiefel mit einer kindgerechten Ausstattung. Robuste Stoßränder, die auch beim Schlitten- oder Bobbycarfahren keinen Schaden nehmen, sowie einfache Klettverschlussriegel und Kordelzüge, die die Kinder schnell selbst bedienen können, machen die Kamik-Stiefel beliebt bei vielen Eltern. Zum Zweiten lassen sich die Innenschuhe sehr vieler Modelle mit einem Handgriff herausnehmen und über Nacht durchtrocknen. 

»Kamik tut alles, damit ihre Schuhe lange genutzt ­werden, denn das ist nachhaltiger als ­jeder Neukauf.«

Thomas Brock, Kamik Deutschland

Und da wäre noch die Verarbeitung: Viele Kamiks haben ein langes Leben und mehrere Besitzer­Innen. Die robusten ­Materialien und die pflegeleichte Konstruktion ­machen’s möglich. Für viele Eltern ist der Wiederverkaufswert gebrauchter Kamiks ein schlagendes Argument – schließlich wachsen Kinder­füße meist schneller als der Kontostand.

Nachhaltige Produktion seit 30 Jahren

Apropos Nachhaltigkeit: Für die naturverbundenen Kanadier ist das Thema Umwelt schon sehr früh wichtig­ gewesen. Bereits vor 30 Jahren hat Familie Cook, die heute in vierter Generation das Unternehmen lenkt, die Weichen auf möglichst nachhaltige Produktion gestellt. Das fällt einem Unternehmen, das nach wie vor über 70 Prozent der Schuhe in eigenen Fabriken in Nordamerika herstellt, natürlich leichter als einem Giganten, der Dutzende Lieferanten in Lohnkon­fektion beschäftigt.

Vor allem das Material­recycling funktioniert bei Kamik schon lange gut: Seit 25 Jahren recycelt Kamik 100 Prozent der Kautschuk-Produktions­abfälle verwendet sie wieder. 360 000 schwarze Gummistiefel können so jährlich aus »Abfällen« hergestellt werden. Die in Nordamerika produzierten Gummisohlen, die herausnehmbaren Innenschuhe sowie die Schuhkartons und Werbe­materialien werden aus recyceltem Material hergestellt. Das Unternehmen verarbeitet zertifiziertes Leder und nutzt PFC-freie Imprägnierung.

Aber: »Es geht um mehr als nur um die Auswahl nachhaltiger Materialien. Der Herstellungsprozess spielt beim ökologischen Fußabdruck eine wichtige Rolle«,­ sagt Kamik Country Manager Thomas Brock. Kamik betreibt deshalb seine Spritzgussmaschinen mit Ökostrom aus Wasserkraft. Das in der Produktion zur Kühlung genutzte Wasser und das Pumpenöl wird in einem geschlossenen Kreislauf gefahren und muss nur selten erneuert werden.

#freeyourplay: Einfach raus mit Kamik

Neben der Mission, nachhaltige Outdoorschuhe für die ganze Familie herzustellen, hat Kamik noch ein zweites Herzensthema: das Draußensein. Unter dem Hashtag #freeyourplay und mittels mehrerer Initia­tiven wie dem Kamik Club und dem firmeneigenen Blog, in dem es viele Anregungen für Spiele und Bastel­eien im Freien gibt, versuchen die Kanadier, für das »planlose« Spielen zu werben. Denn nach einer aktuellen Studie gehen Kinder zwar heute regelmäßig strukturierten Aktivitäten wie Sport oder Musik nach. Aber sie verbringen wesentlich weniger Zeit beim Spielen draußen als früher ihre Eltern. Genau dieses freie, kreative Erleben der Umwelt will Kamik mit der ­Initiative #freeyourplay fördern, die auf Instagram mit Tausend Bildern präsent ist. Und was steht da bei den Kleinen besonders hoch im Kurs? Na klar: Pfützen­springen! Und dafür sind Kamiks schon seit Generationen ideale Begleiter.