Kaufberatung Bikepacking

ORTLIEB Sportartikel GmbH / Russ

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Mit dem Finger über die Karte fahren, sich ein Ziel suchen, die Ausrüstung verstauen und das Fahrrad satteln. Bikepacking macht das Reisen mit dem Fahrrad einfach und leicht. So sind lange Strecken genauso wie Wurzelwege und Singletrails mit Übernachtungsgepäck möglich.

Urlaub und Erholung waren noch nie so nah, schon auf den ersten Kilometern stellt sich das wunderbare Gefühl von Urlaub und Wanderlust ein. Egal, ob man eine entspannte Runde zum nächsten Campingplatz mit einigen kleineren oder größeren Schlenkern plant oder ob es doch das etwas weiter entfernte Ziel ist, Bikepacking ist genau das, was du daraus machst. Gerade zum Start empfiehlt es sich, einfach mal drauflos zu radeln, denn Deutschland ist – allem Unken zum Trotz – ein wunderbares Fahrradland. Es gibt unendlich viele Radwege und Möglichkeiten, diese zu verbinden. Mit speziellen Radtourenkarten (z. B. vom ADFC) fällt auch die erste Orientierung ganz leicht. Und wenn du auch gerne mal auf Trekkingtour gehst, dann besitzt du bereits viel Ausrüstung für dein erstes Bikepacking-Abenteuer. Was du noch brauchst, erzählen wir dir hier:

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Was ist Bikepacking?

Will man mit dem Fahrrad mehrere Tage unterwegs sein und Touren autark bestreiten, muss das Gepäck irgendwohin. Bislang gab es zwei Möglichkeiten:

  • Front- und Backroller: Taschen auf Höhe der Radnarbe an Vorder– und Hinterrad sind erste Wahl für klassische Radreisen zum Beispiel auf durchasphaltierten Flussradwegen oder für den Weg zur Arbeit. Nachteil: Durch die Positionierung des Gepäcks gerät das Bike schnell aus dem Gleichgewicht.
  • Biketauglicher Rucksack: Generationen an Alpen-Crossern haben ihr Gepäck von Hütte zu Hütte in einem Rucksack getragen. Diese biketauglichen Rucksäcke bieten meist um die 30 Liter Volumen. Nachteil: Schwitzen am Rücken und hoher Schwerpunkt bei geringem Transportvolumen.
Bikepacking Fahrrad mit Ortlieb

Für Bikepacking-Abenteuer bieten entsprechende Taschen nun eine weitere Möglichkeit, das Gepäck platzsparend und schwerpunktoptimiert am Bike zu befestigen. Hersteller wie Ortlieb, Vaude und Brooks haben spezielle Taschen-Sortimente entwickelt, die ohne Gepäckträger auskommen und das Gepäck gut verteilen. Gepaart mit leichtem Gepäck und minimalistischer Ausrüstung erreichen Radreisende so maximale Flexibilität bei der Routen- und Bikewahl. Bikepacking-Taschen eignen sich hervorragend, um ein Gravel-Bike oder Rennrad mehrtagestourtauglich zu machen.

Warum macht Bikepacking Spaß? 

Reduktion auf das Wesentliche ist die Equipment-Grundlage jedes Bikepacking-Abenteuers.

Bikepacking bedeutet vor allem Leichtigkeit und somit Freiheit. Durch das geringere Gewicht von Rad und Ausrüstung und das simple Setup sind nicht nur große Distanzen möglich, sondern auch mehr Flexibilität bei der Routenwahl. Schmale Singletrails oder wurzelige Waldwege bis hin zu Tragepassagen lassen sich  – natürlich vom Radtyp abhängig – wunderbar in die Route einbinden. 

Gravelpassagen über Feld- und Waldwege sind bei Bikepacking-Trips eher Normalität als die Ausnahme. Der Reiz besteht für viele darin, anspruchsvolle, geländelastige Touren zu fahren und anschließend mindestens eine gemütliche Nacht in der Natur zu verbringen – perfekt für Mikroabenteuer und spontane Overnighter ebenso wie für wochenlange Touren gleichermaßen.

Was ist der Unterschied zwischen Bikepacking-Equipment und klassischen Radtaschen? 

Bikepacking-Taschen sind oft sehr viel kompakter als die klassischen 20-Liter-Gepäckträgertaschen. Kein Wunder, sollen sie sich doch insgesamt in das wendige und leichte Bikepacking-Konzept einfügen – zumal auch viele BikepackerInnen keinen Gepäckträger nutzen, um Gewicht zu sparen. So sind Bikepacking-Taschen um die 15 Liter groß, oft jedoch wesentlich kleiner. Hier wird statt zentralem Stauraum eher nach dem Puzzleprinzip gearbeitet. Das Gepäck wird dann kreativ ins modulare System zwischen Gabel- und Satteltasche verräumt.

Was ist der Vor- bzw. Nachteil von Bikepacking-Taschen?

Der größte Vorteil von Bikepacking-Taschen ist, dass sie kompakt, leicht und variabel sind. So ergibt sich eine gute Geländetauglichkeit, da sie eine gleichmäßige Gewichtsverteilung des Gepäcks am Rad ermöglichen. Sie fügen sich optimal in die schmale Silhouette des Rads ein. Der Schwerpunkt ist so nah am Fahrrad, was die Agilität und Wendigkeit erhöht. Insgesamt ist das Gepäck windschnittiger verstaut.

Ein Nachteil von Bikepacking-Taschen ist der begrenzte Stauraum, der einen minimalistischen, bedachten Packstil sowie Ausrüstung mit kleinem Packmaß erfordert. Für diese muss man in der Regel etwas tiefer in die Tasche greifen, wenn man gleichzeitig komfortabel unterwegs sein möchte. Auch das Organisieren der Ausrüstung in den Bikepacking-Taschen kann zur Herausforderung werden. Bis die Puzzleteile an ihren Platz sind, kann es etwas Übung brauchen. Der geringe Stauraum von Bikepacking-Taschen reduziert die Radreise für die meisten auf den Sommer. Wenn es auf Herbst und dann Winter zugeht, braucht man für Schlafsack und Klamotten mehr Platz. Der Transport wärmerer Ausrüstung und/oder Essen für mehrere Tage kann dann zur Herausforderung werden. Wie man beides lösen und meistern kann, das könnt ihr euch bei Globetrotter Markenbotschafter Jonas Deichmann ansehen, der mit seinem Bikepacking-Setup sogar dem russischen Winter getrotzt hat.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass man sich beim Bikepacking schon bei der Tourplanung auf das Wesentliche beschränken muss. Überflüssiges muss zwangsläufig daheim bleiben. Das führt dazu, dass man sich auf Steigungen aber auch nicht mit zu viel Last abplacken muss.

Welche Taschen gibt es?

tm studios CREATIVE POOL GmbH /

Bikepacking lebt von der Kombination vieler kleiner, kompakter Taschen. Diese sind oft wasserdicht, um die Ausrüstung vor Nässe zu schützen. Das Fahrrad gibt die Position der Bags vor, daher hat sich eine Art klassisches Setup entwickelt:

Die Satteltasche als Kofferraum

Die meisten BikepackerInnen nutzen am Sattel eine längliche Satteltasche (sogenannte »Arschraketen«) wie den Ortlieb Seat Pack. Diese Tasche wird ganz einfach am Sattelrohr und Sattel befestigt und bietet reichlich Stauraum, zumeist bekommt hier die Bekleidung ihren Platz. Dank elastischer Bänder und Ösen kann man außen auch noch Kaffeetasse, Windjacke oder Zehentrenner-Schuhe für den Abend befestigen.

Alternativ kann man auch einen leichten Gepäckträger mit kleinen Gepäckträgertaschen (z.b. Ortlieb Sport-Roller mit Globetrotter Bär) nutzen, diese bieten etwas mehr Stauraum, allerdings kann es dann auf sehr schmalen Singletrails schon mal eng werden. 

Alles im Rahmen – Taschen für Technik und Verpflegung

Am Rahmen kommen oft dreieckige Full-Frame-Rahmentaschen sowie Oberrohrtaschen zum Einsatz. Taschen wie die Vaude Trailframe Tasche ermöglichen dabei auch noch Platz für eine Trinkflasche. Für mehr Stauraum kommt dann die Ortlieb Frame Pack Tasche zum Zuge. Je nach Ausrüstung bietet es sich an, dort schwere Technik wie Kocher, Brennstoff und Gas oder Ersatzteile und Werkzeug und die Verpflegung zu verstauen, so ist der Schwerpunkt nah am Rahmen und man ist agiler unterwegs. Für das Oberrohr dicht am Lenker gibt es zudem kleine Taschen. In diesen lassen sich Handy, Energieriegel oder auch Geldbeutel und Haustürschlüssel bequem und sicher verstauen.

Das Zuhause ist am Lenker

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Eine rollenförmige Lenkertasche wie das Ortlieb Handlebar-Pack bietet vorn am Lenker viel Stauraum. Viele Schnallen und Schlaufen ermöglichen das »anklemmen« von weiterem Equipment. Diese Taschen bieten in der Regel genügend Platz, um dort Zelt, Gestänge, und Schlafsack zu verstauen. Besonders kleine und leichte Isomatten wie einer Therm-a-Rest Neoair finden hier auch Platz.

An der Gabel des Vorderrades kann man zusätzlich klassische Lowrider und Front-Roller befestigen. Explizit fürs Bikepacking gibt es kompakte Taschen (z.B. Ortlieb Fork Pack) oder auch sogenannte Anycages – Befestigungsrahmen aus Metall, an denen sich mit Spanngurten Packtaschen befestigen lassen.

Neben den bereits am Markt etablierten Bikepacking-Setups von Ortlieb oder Vaude sieht man bei erfahrenen BikepackernInnen gerne auch individuell bunt zusammengestellte Taschenkombis oder auch Bikepacking-Taschen Marke Eigenbau. Mit Spannriemen und Packbeuteln lässt sich wunderbar improvisieren.

Wie viel Liter Volumen bringe ich am Rad unter?

Je nach Taschenkonstellation ergeben sich zwischen 30 und 60 Liter Stauraum am Rad mit Bikepacking-Taschen. Vor allem wenn man zusätzliche Taschen an der Frontgabel anbringt, erweitert sich der Stauraum schnell enorm, sodass auch Touren mit mehr Gepäck oder in der kühleren Jahreszeit problemlos möglich sind. Soll es darüber hinaus noch mehr Platz sein, kann es auch praktisch sein, einen leichten Rucksack zu tragen, in dem man beispielsweise ein Trinksystem oder Dinge unterbringt, die man immer schnell zur Hand haben möchte.

Welche Ausrüstung brauche ich außer Taschen?

Ausrüstung fürs Bikepacking sollte leicht und klein verpackbar sein. Besitzt du bereits Equipment für Mehrtageswander- oder Trekkingtouren kannst du dies auch fürs Bikepacking nutzen. Besteht Bedarf nach mehr Stauraum, kann mit einem Radrucksack das Packvolumen ergänzt werden.

Neben dem üblichen Übernachtungsgepäck wie Schlafsack, Isomatte und Zelt (oder auch Hängematte), empfiehlt sich ein kleines Arsenal an Reparaturwerkzeug für den Notfall oder die Bikepflege unterwegs. Ein kleiner Aufschraubkocher mit Gaskartusche sowie ein Halbliter-Kochtopf plus leichtem Besteck sorgt für autarke Essenszubereitung. Für die Flüssigkeitsversorgung können klassische Fahrradflaschen oder auch Trinksystem und Falttasche an der Gabel zum Einsatz kommen. Wechsel- und Regenbekleidung, Fahrradbeleuchtung mit entsprechender Auflademöglichkeit (Powerbank) sowie ein Erste-Hilfe-Set sind ebenfalls essentiell. Mit einem GPS-Gerät und vorher geplanten Routen verringert man die Standzeiten an Kreuzungen. Und wenn man sich in der Bikeszene so umsieht, dann finden BikepackerInnen oft auch noch genügend Platz, um unterwegs einen guten Kaffee aus der eigenen Espressokanne zu genießen.

Welche Ausrüstung kommt in welche Tasche?

Hier ist definitiv Kreativität gefragt, um den individuellen Ansprüchen gerecht zu werden. Schwere Dinge wie Schlafsack oder Zelt werden möglichst dicht am Rad verstaut. Dies hält Lastenkontrolle und Schwerpunkt möglichst optimal. Ausrüstung, die schnell Erreichbar sein soll, kann in eine kleine ergänzende Tasche verstaut werden. Dies verhindert, dass man die Bikepacking-Taschen ständig neu befestigen muss. Insgesamt sollte man einen guten Plan im Kopf haben, wo welches Equipment verstaut ist. Empfindliche Ausrüstung wie Elektronik ist am Rahmen gut geschützt.

Wie sichere ich mein Bikepacking-Equipment?

Robuste Spannriemen aus Nylon sind echte Alleskönner am Bike und bieten eine leichte, unkomplizierte Option zum Festzurren und Befestigen des Bikepacking-Equipments. Die meisten Bikepacking-Taschen kommen bereits mit passenden Befestigungsmöglichkeiten oder zumindest den entsprechenden Laschen und Vorbereitungen. Klettbänder und Kordelzug-Gummis können ebenfalls nützlich sein. Und in keinem Gepäck dürfen natürlich Kabelbinder und Duct-Tape fehlen, man weiß ja nie, wie abenteuerlich die Tour wird.

Welchen Schlafsack fürs Bikepacking? 

Daune bietet als Naturmaterial das beste Verhältnis zwischen Wärmeleistung und Packmaß. Es empfiehlt sich ein kompakter, leichter Daunenschlafsack mit einer Komforttemperatur entsprechend den zu erwartenden Temperaturen (mehr Infos in der Kaufberatung Schlafsäcke). Falls die Reise in Gefilde mit hoher Luftfeuchtigkeit geht, muss man einen Kompromiss beim Packmaß eingehen. In Skandinavien oder in Großbritannien ist ein Kunstfaserschlafsack die besser Wahl, ob der wiederum kompatibel mit den Bikepacking-Taschen ist, musst du ausprobieren. Da heißt es gut abwägen, denn nichts ist schlimmer, als eine ungemütliche Nacht nach einem langen Tag im Sattel.

Welches Zelt fürs Bikepacking?

Hier empfiehlt sich natürlich ein möglichst leichtes, kompaktes Zelt mit kleinem Packmaß. Ein- oder Zwei-Personen-Zelte aus silikonisiertem Nylon mit geringer Materialstärke eignen sich bestens, bieten sie doch eine hervorragende Kombination aus leichtem Gewicht und Stabilität. Da man unterwegs bei der Wahl des Zeltplatzes manchmal nicht so wählerisch sein kann, drängen sich freistehende Zelte auf. Acht sollte man auf das Packmaß des Gestänges geben, sodass dieses auch gut in die vorhandenen Taschen am Rad passt. Hersteller wie Big Agnes haben fürs Bikepacking spezielle Zelte entwicklet (mehr Infos in unser Kaufberatung Zelte).

Manche BikepackerInnen bevorzugen eine Hängematte für die Nachtruhe. Auch hier sollte auf ein leichtes Material und nicht zu sperrige Gurtbänder und Karabiner achten. Falls es regnet, leistet ein über der Hängematte aufgespanntes Tarp sehr gute Dienste. Bei kühleren Temperaturen wandert ein Underquilt mit ins Gepäck und wenn die Mücken, Zecken und sonstige Plagegeister nerven, gibt es für Hängematten auch passende Moskitonetze.

HP Studios
HP Studios

Wo kommt das Zelt beim Bikepacking hin?

Eine Problematik beim Verstauen des Zelts ist zumeist das Gestänge. Dies ist der längste und auch nicht kürzbare Ausrüstungsgegenstand. Als Verstaumöglichkeit bieten sich Lenkerrolle und Sattel-Rakete an. Einige BikepackerInnen bevorzugen eine Befestigung direkt am Rahmen-Oberrohr. Zeltplane und Heringe werden dort verstaut, wo Platz ist.

Wie viele Kilometer schaffe ich beim Bikepacking?

Das hängt natürlich vom persönlichen Fitnesszustand und den Beschaffenheiten der Strecke ab. Nicht wenige BikepackerInnen lieben zum Beispiel viele Höhenmeter und unwegsames Terrain, was den Schnitt natürlich herabsetzt. Allgemein lässt sich sagen, dass beim Bikepacking längere Strecken möglich sind, als bei klassischen Radtouren, da Leichtigkeit und Dynamik im Fokus stehen. Auch für Anfänger sind so Distanzen bis zu 100 Kilometern durchaus möglich. Natürlich nicht im Gebirge, aber wenn es durch die Norddeutsche Tiefebene oder durch den Fläming in Brandenburg geht, fliegen die Kilometer mitunter nur so dahin.

Was ist das beste Bikepacking-Fahrrad? 

Gravelbikes und Cyclocross-Räder vereinen beim Bikepacking die Geländetauglichkeit eines Mountainbikes mit der Leichtigkeit und Schnelligkeit eines Rennrads – weshalb nicht wenige Bikepacker auf einen der beiden Radtypen schwören. Welche Reifen- bzw. Laufradgröße dabei zum Zug kommt, das sollte man den eigenen Ansprüchen entsprechend wählen. Möchte man auch mal etwas breitere Reifen fahren, sollte man direkt beim Kauf darauf achten, dass die Gabel dies auch möglich macht. Auch die Geometrie sollte man entsprechend des eigenen Fahrstils wählen. Aufgrund der flexiblen Befestigung von Bikepacking-Equipment auch ohne Gepäckträger, kann natürlich ebenfalls mit einem Rennrad oder einem klassischen Mountainbike Bikepacking praktiziert werden. 

Tipp: Je mehr Ausrüstung transportiert wird, desto wichtiger ist, dass sich zahlreiche Ösen zur Montage von Trägern und Flaschenhaltern am Rahmen finden, um eine flexible und bedarfsgerechte Befestigung der Bikepacking-Ausrüstung zu garantieren.